Kein pauschales Feuerwerksverbot: Probleme bekämpfen, nicht Millionen friedlich Feiernder bestrafen

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Kein pauschales Feuerwerksverbot: Probleme bekämpfen, nicht Millionen friedlich Feiernder bestrafen

6. Januar 2026

Millionen Menschen haben Silvester verantwortungsvoll gefeiert. Feuerwerk bleibt ein beliebtes Kulturgut. Das Problem sind illegale Pyrotechnik, Missbrauch und Eigenlaborate und nicht geprüftes Silvesterfeuerwerk. Auch Alkohol ist ein zentraler Risikofaktor in der Nacht und verstärkt Gefahren und Eskalationen. Statt pauschaler Verbote braucht es Prävention, Aufklärung und konsequente Strafverfolgung.

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V. (bvpk) spricht sich erneut gegen weitere Einschränkungen des privaten Silvesterfeuerwerks aus. Auch zum Jahreswechsel 2025/26 zeigte sich: Feuerwerk erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Viele Millionen Menschen kauften Feuerwerk, und noch mehr verfolgten das Neujahrsspektakel als gemeinschaftliches Erlebnis ohne selbst zu zünden.

Repräsentanten von Rettungskräften, Feuerwehr und Polizei betonten am Neujahrstag vielerorts den positiveren Verlauf der der Silvesternacht. Feuerwerksgegner hatten schon im Dezember über bevorstehende Schreckensszenarien spekuliert und versuchen nun auch den zurückliegenden Jahreswechsel in eine „Horror-Nacht“ umzudeuten. Das führt auch dazu, dass sich friedliche Feuerwerksnutzer:innen immer häufiger Beleidigungen und Anfeindungen ausgesetzt sehen und mit Kriminellen und Chaoten in einen Topf geworfen werden. Für dieses aufgeheizte gesellschaftliche Klima trägt die beschriebene Kampagnenkommunikation rund um die Petitionen für ein bundesweites Feuerwerksverbot eine Mitverantwortung. Nach Medienberichten wurden zwei Petitionen zusammen rund vier Millionen Mal unterzeichnet. Der bvpk warnt davor, aus dieser aufgeheizten Debatte vorschnell autoritäre Schlussfolgerungen zu ziehen.

„Verbote sind eine politische Bankrotterklärung, wenn sie das eigentliche Problem nicht lösen“, sagt Christoph Kröpl, Geschäftsführer des bvpk. „Wer Millionen friedlicher Feiernder pauschal bestraft, trifft die Falschen, spaltet die Gesellschaft und lenkt davon ab, worum es wirklich geht: illegales Feuerwerk, zweckentfremdete Pyrotechnik, oft unter starkem Alkoholeinfluss, und Eigenlaborate. Das sind Straftaten. Dafür gibt es Gesetze, sie müssen konsequent durchgesetzt werden.“

Das Hauptproblem ist nicht das geprüfte Silvesterfeuerwerk, sondern Illegalität und Missbrauch

Der bvpk hält fest: Schwere Unfälle mit Verletzten und leider auch Toten gibt es nach allem, was belastbar ausgewertet werden kann, vor allem dort, wo illegale Pyrotechnik im Umlauf ist oder selbstgebaute Sprengkörper zum Einsatz kommen. Dort wo legales Silvesterfeuerwerk falsch oder missbräuchlich verwendet wird, kommt es zu Verletzungen, die sich in aller Regel ambulant behandeln lassen, schwerste Verletzungen bilden hier die absolute Ausnahme und sind bei sachgemäßem Gebrauch nahezu ausgeschlossen. Genau hier müssen Politik und Behörden ansetzen: Aufklärung, Prävention, Kontrollen, Strafverfolgung und vor allem das konsequente Austrocknen illegaler Handelswege – grenzüberschreitend und EU-weit.

Der Verband kritisiert außerdem den politischen Reflex, „Stadt gegen Land“ auszuspielen. In Ballungsräumen braucht es in vielen Feldern häufig mehr Präventions- und Aufklärungsangebote sowie konsequentere Kontrollen an bekannten Brennpunkten. In vielen kleineren Gemeinden regeln sich viele Dinge durch Nachbarschaft, örtliche Absprachen und kurze Wege oft pragmatischer, ohne dass gleich ein Totalverbot als „Lösung“ herhalten muss. Und selbst in den Großstädten sind es nur einige wenige Orte, an denen es Probleme gibt, häufig solche, an denen es auch jenseits von Silvester zu Angriffen auf Einsatzkräfte kommt, dort muss generell an den Ursachen gearbeitet werden.

Selbst Befürworter von Verboten sprechen inzwischen über Alternativen

Bemerkenswert ist aus Sicht des bvpk, dass selbst starke Befürworter eines Verbots inzwischen öffentlich über Alternativen diskutieren, etwa über Feuerwerk-Erlaubniszonen als Ansatz in Großstädten. So wurde diese Idee zuletzt auch im Kontext der Berliner Debatte von der Berliner GdP aufgegriffen, die mit drei Millionen Unterzeichner:innen die größte Verbotspetition betreibt.

Der bvpk bewertet solche Vorschläge als Beleg dafür, dass die Realität komplexer ist als die Verbotslogik: Wer über kontrollierte Zonen spricht, räumt ein, dass es nicht um „Feuerwerk an sich“, sondern um Steuerung, Sicherheit und Durchsetzung vor allem in den großen Städten geht.

Rechtslage: Kommunen haben bereits heute Instrumente, sie werden nur zu selten genutzt

Ein pauschales Verbot wird häufig so dargestellt, als gäbe es keine Alternativen. Das ist falsch. Kommunen verfügen bereits heute über rechtlich klar geregelte Möglichkeiten, auf lokale Besonderheiten einzugehen:

  • Abbrennverbote in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Anlagen sind rechtlich vorgesehen.
  • Zusätzlich kann die Nutzung von Pyrotechnik mit ausschließlicher Knallwirkung (Böller!) in bestimmten Bereichen zeitlich und räumlich begrenzt verboten werden.
  • Der bvpk weist darauf hin, dass eine weitergehende Ausweitung kommunaler oder landesweiter Verbotskompetenzen (bis hin zum faktischen Komplettverbot) einen schwer kontrollierbaren Flickenteppich und Verlagerungseffekte erzeugen kann, mit zusätzlicher Belastung für Vollzugskräfte.

„Die Debatte tut so, als gäbe es nur Schwarz oder Weiß. Verbot oder Chaos. Dabei haben wir längst Regeln und Werkzeuge, wir müssen sie nur sinnvoll anwenden: Lokal, gezielt und verhältnismäßig auf der Grundalge von allgemeingültigen bundesweiten Regelungen“, sagt Christoph Kröpl.

Verbote haben die Notaufnahmen eben nicht „leer gemacht“

Immer wieder wird behauptet, ein Verkaufs- bzw. Feuerwerksverbot sei ein wirksames Instrument zur Entlastung der Notaufnahmen. Eine aktuelle Auswertung (Uni Magdeburg) auf Basis des AKTIN-Notaufnahmeregisters (Daten 2019–2023) kommt jedoch zu dem Schluss, dass die pandemiebedingten Feuerwerksverbote keinen relevanten Einfluss auf die Inanspruchnahme von Notaufnahmen rund um den Jahreswechsel hatten. Wenn man spekulieren wollte, bleibe Alkohol als nicht verbotene Konstante als eine mögliche Ursache.

Zugleich bleibt ein strukturelles Problem: Verletzungen durch Pyrotechnik werden in Deutschland nicht einheitlich und systematisch als eigene Kategorie erfasst, was Auswertungen fast unmöglich macht, Spekulationen begünstigt und auch medizinische Expert:innen zu Fehleinschätzungen verleiten kann. Der bvpk plädiert daher für bessere Datengrundlagen statt symbolpolitischer Verbotsdebatten.

Umwelt- und Tierschutz: ernst nehmen. Faktenbasiert.

Der bvpk betont: Umwelt- und Tierschutz sind wichtige Anliegen. Aber auch hier braucht die Debatte Sachlichkeit.

  • Der Anteil des fossilen CO₂ aus Feuerwerk an Silvester liegt nach bvpk-Aufbereitung auf Basissngaben des Umweltbundesamtes bei 0,00013% der jährlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland.
  • Beim Feinstaub können lokal kurzzeitig hohe Werte auftreten, die sich typischerweise bis Neujahr wieder weitgehend normalisieren; der Anteil am Jahreswert wird mit rund 0,7% angegeben. Der bedenkliche Tagesmittelwert von 50 µg/m³ am 1.1.2026 wurde überhaupt in 20 von 345 Messstationen bundesweit (= 6% aller Stationen) überschritten. (Quelle: PM10-Daten des Umweltbundesamtes)
  • Feuerwerksreste bestehen überwiegend aus biologisch abbaubaren Materialien (z.B. Pappe/Holz); der Kunststoffanteil ist gering und wird weiter reduziert. 
  • Tiere reagieren unterschiedlich; viele beruhigen sich nach kurzer Zeit wieder, dennoch gilt: Rücksichtnahme und das Ahnden von Tierquälerei (z.B. gezieltes Bewerfen) sind zwingend.

Verhältnismäßigkeit!

Der bvpk kritisiert die politische Schieflage der Debatte: Aus punktuellen Eskalationen wird eine Generalabrechnung mit dem Kunst- und Kulturgut Feuerwerk konstruiert, das in Deutschland ohnehin stark reglementiert ist. Das entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit.

Um das Problem zu verdeutlichen, nennt der bvpk ein Beispiel zur Einordnung: Bei Brandrisiken verweist der Verband auf Zahlen aus der Adventszeit. Laut Institut für Schadenverhütung und dem GDV werden Versicherern im Advent rund 6.000 zusätzliche Brände gemeldet, häufig durch Kerzen und trockene Weihnachtsdekoration.

Der bvpk nennt das nicht, um Weihnachtsbräuche gegeneinander auszuspielen und um ein Verkaufsverbot von Adventskränzen ins Spiel zu bringen, sondern um die Frage der Verhältnismäßigkeit zu verdeutlichen: Risiken werden in einer freien Gesellschaft in vielen Bereichen durch Aufklärung, Prävention und Regeln minimiert, nicht durch pauschale Verbote. Diese Akzeptanz wünschen wir uns auch für Silvesterfeuerwerk!

„Wir brauchen keinen Kulturkampf gegen diese eine bunte Nacht im Jahr“, sagt Kröpl. „Wir brauchen endlich ernsthafte Politik: Prävention, Aufklärung und konsequente Strafverfolgung illegaler Pyrotechnik. Feuerwerk als verbindendes Element über Milieugrenzen hinweg als Stärkung in einem sozialen Staat, nicht als Weg in einem autoritären.“

Forderungen des bvpk

Der bvpk fordert von Bund, Ländern und Kommunen:

  • Konsequente Bekämpfung illegaler Pyrotechnik und ihrer EU-weiten Handelswege – Ermittlungsdruck erhöhen, Kontrollen verstärken, Strafverfolgung bündeln.
  • Aufklärung und Prävention ausbauen (sichere Anwendung, nüchternes Zünden, Abstand, Rücksichtnahme) – statt pauschaler Verbotskommunikation.
  • Die bestehenden kommunalen Instrumente gezielt nutzen (Schutz sensibler Orte, brandgefährdete Bereiche, lokale Knallverbote), statt Rechtsverschärfungen mit Flickenteppich-Effekten und rückschrittlicher Kleinstaaterei.
  • Bessere Datengrundlagen zur Debatte (z.B. einheitlichere Erfassung von Verletzungen, Ursachenanalyse), damit Maßnahmen auch wirksam und verhältnismäßig gestaltet werden können.
  • Politik, Behörden und Fachverbände an einen Tisch, miteinander reden statt übereinander.

Hier finden Sie das aktuelle bvpk Positionspapier zu Silvesterfeuerwerk: www.bvpk.org/positionen-silvesterfeuerwerk 

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