Stellungname des bvpk zur Innenministerkonferenz 2026: Feuerwerk braucht Dialog statt Verbote durch die Hintertür

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Stellungname des bvpk zur Innenministerkonferenz 2026: Feuerwerk braucht Dialog statt Verbote durch die Hintertür

16. Juni 2026

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V. (bvpk) verfolgt die am 17. Juni 2026 beginnende Innenministerkonferenz in Hamburg mit großer Aufmerksamkeit. Naheliegend ist, dass auch die Regularien rund um Feuerwerk zum Jahreswechsel dort behandelt werden. Sollte dies der Fall sein, stellt sich bereits vor jeder inhaltlichen Debatte eine grundsätzliche Frage: Warum wurden die betroffenen Fachverbände im Vorfeld nicht beteiligt? 

Der bvpk hat mehrfach Gesprächsbereitschaft signalisiert und um Informationen zu möglichen Vorhaben gebeten. Eine fachliche Einbindung der Verbände fand dennoch nicht statt. Wer Regelungen diskutiert, die Millionen Bürgerinnen und Bürger, sowie zahlreiche Vereine, Veranstalter und Firmen betreffen, sollte die Expertise derjenigen einbeziehen, die sich täglich mit dem Thema beschäftigen. Genau dafür gibt es Fachverbände. Ein solcher Dialog gehört zu einer transparenten und demokratischen Entscheidungsfindung. 

Besonders kritisch ist die immer wieder diskutierte Einführung einer kommunalen, oder wie von der SPD vorgeschlagen einer Landes-Öffnungsklausel, für privates Silvesterfeuerwerk zu betrachten. Ein solcher Schritt wäre nichts anderes als ein Feuerwerksverbot auf Raten. Gleichzeitig wäre er sowohl in der Sache als auch im Verfahren eine politische Bankrotterklärung. 

Die Öffnungsklausel ist der denkbar schlechteste Weg, um bestehende Herausforderungen rund um den Jahreswechsel zu lösen. Bereits heute können Kommunen in bestimmten Bereichen Böllerverbote anordnen. In besonders sensiblen Bereichen ist Feuerwerk generell verboten, dass kann je nach lokalen Gegebenheiten auch zusätzlich ausgeweitet werden. Von diesem Instrument wird bewusst nur in Ausnahmefällen Gebrauch gemacht. Warum? Weil solche Verbote zwar schnell beschlossen sind, ihre Kontrolle und Durchsetzung aber äußerst schwierig bleiben. 

Eine kommunale Öffnungsklausel würde deshalb nicht zu mehr Sicherheit führen. Sie würde einen Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen schaffen, erhebliche Rechtsunsicherheit verursachen und möglicherweise sogar Klagen gegen Kommunen nach sich ziehen, die bewusst auf lokale Verbote verzichten möchten. Städte und Gemeinden würden mit zusätzlichen Problemen belastet, während sich der Bund aus der Verantwortung zieht. Die eigentlichen Fragen blieben ungelöst. 

Der bvpk steht jederzeit für Gespräche über die Weiterentwicklung des Silvesterfeuerwerks zur Verfügung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Debatte nicht von vornherein mit dem Ziel eines Verbots geführt wird. Ebenso muss endlich anerkannt werden, dass die zugelassene Feuerwerkskategorie F2 nicht die Ursache vieler Probleme ist, die ihr regelmäßig zugeschrieben werden. Als besonders laut oder anderweitig problematisch eingestufte Artikel unterliegen bereits heute weitgehenden Beschränkungen. Auch in der Kategorie Silvesterfeuerwerk F2 dürfen sie nur mit entsprechender Fachkunde erworben und verwendet werden, dort besteht also kein Anpassungsbedarf. 

Wer die Situation an Silvester wirklich verbessern möchte, sollte den Fokus auf die tatsächlichen Ursachen richten: die mittlerweile massenhafte Verwendung von illegaler Pyrotechnik, den Missbrauch von Feuerwerksartikeln nicht frei verkäuflicher Kategorien und den Einsatz nicht zugelassener Produkte ohne CE-Kennzeichen. Würde hier konsequent gehandelt und hätten die Ermittlungsbehörden dafür mehr Ressourcen, würden viele der immer wieder zum Silvesterfeuerwerk angeführten Kritikpunkte deutlich an Bedeutung verlieren. 

Wir müssen die gesellschaftliche Debatte über Feuerwerk grundsätzlich neu ausrichten. Statt ständig über neue Einschränkungen und Verbote zu sprechen, sollten wir endlich darüber diskutieren, welchen kulturellen Wert Feuerwerk in Deutschland hat und wie wir mit unserem Kulturerbe umgehen. 

Für viele Millionen Menschen gehört das gemeinsame Feuerwerk zu den wichtigsten öffentlichen Ritualen des Jahres. Es steht auf einer Stufe mit dem Christbaum oder dem Osterfeuer. Es verbindet Generationen unabhängig vom Geldbeutel, schafft Gemeinschaftserlebnisse und markiert besondere Momente. Diesem Stellenwert wird die politische Debatte nicht gerecht, stattdessen werden Millionen Menschen, die Feuerwerk sachgemäß und rücksichtsvoll verwenden unter Generalverdacht gestellt. 

Deutschland erlebt Jahr für Jahr mehrere tausend professionelle Feuerwerke bei Volksfesten, Stadtfesten, Kulturveranstaltungen und anderen öffentlichen Anlässen. Das private Feuerwerk ist dazu kein Gegenmodell, sondern Teil derselben Festkultur Beides gehört zusammen und stärkt sich gegenseitig. 

Aus Sicht des bvpk sollte deshalb auch offen darüber nachgedacht werden, wie Feuerwerk künftig wieder stärker als kulturelles Gut verstanden werden kann. In vielen anderen Ländern ist die Nutzung von Feuerwerk nicht ausschließlich auf den Jahreswechsel beschränkt, sondern begleitet weitere gesellschaftliche und kulturelle Anlässe. Eine moderne Debatte sollte sich deshalb nicht nur mit Einschränkungen beschäftigen, sondern auch mit der Frage, wie die gemeinschaftliche Teilhabe durch pyrotechnische Festkultur gestärkt werden kann. 

Gerade in einer Zeit, die von internationalen Konflikten, gesellschaftlichen Spannungen und einer zunehmenden Militarisierung öffentlicher Debatten geprägt ist, verdient noch ein anderer Aspekt Aufmerksamkeit: Feuerwerk ist die einzige Form der Nutzung von Schwarzpulver, die mit Freude, Gemeinschaft und positiven Emotionen verbunden ist. Es steht für Feiern statt Kämpfen, für Begegnung statt Konfrontation. 

Der bvpk fordert die Innenministerkonferenz deshalb auf, auf Symbolpolitik und Verbotsdebatten zu verzichten und stattdessen einen offenen, transparenten und faktenbasierten Dialog über die Zukunft des Feuerwerks in Deutschland zu führen.

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